Historische Bausubstanz dämmen und erhalten: Geeignete Dämm-Lösungen für Fachwerk

Das Besondere sieht man dem 250 Jahre alten Fachwerkhaus im Kasseler Stadtteil Kirchditmold (Nordhessen) nicht an: Es ist rundum mit Zelluloseflocken wärmegedämmt. Der Vorteil für die Bewohner: Im Sommer bleiben die Räume angenehm kühl und im Winter sorgt die erhöhte Oberflächentemperatur der Innenwände für ein gemütliches Wohnklima.Drei Generationen wohnen in dem ehemaligen Bauernhaus unter einem Dach: Familie Wendorff mit Sohn Mathis teilt sich die offene Wohnküche im Erdgeschoss und die Wohnräume im ersten Obergeschoss mit Mathis´ Großvater. Im ausgebauten Dachgeschoss wohnt Künstler Stanislaus Szypura. Als Familie Wendorff das Fachwerkhaus 1994 kaufte, übernahm sie es in weitgehend saniertem Zustand. Bereits in den Jahren 1988/89 hatte der Vorbesitzer das gesamte Gebäude unter konsequentem Einsatz von Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wärmegedämmt.

Erste Sanierungsmaßnahmen

Zunächst wurden damals die alten Lehmgefache entfernt und beidseitig mit Heraklithplatten beplankt. Der so entstandene Hohlraum konnte nun mit Zellulosedämmstoff des nordhessischen Herstellers isofloc (Lohfelden bei Kassel) ausgefüllt werden. Über ein Schlauchsystem wurden die Zelluloseflocken mit Hilfe einer speziellen Maschine in die Gefache eingeblasen und füllen sie seither vollständig und setzungssicher aus. Eine dickere Dämmstärke von zirka 14 Zentimetern wurde erreicht, indem zuvor von innen auf die Balken zusätzlich Latten aufgeschraubt worden waren.

Im Dachbereich kam ebenfalls isofloc-Zellulosedämmstoff zum Einsatz. Die Bieberschwänze aus den Dreißigerjahren waren in so gutem Zustand, dass eine neue Deckung noch nicht anstand. Auch in der Dachgeschosswohnung waren keine größeren Renovierungsarbeiten vorgesehen. Daher war ein Verfahren gefragt, das eine aufwändige Sanierung des Dachgeschosses ersparte und für die Bewohner des Hauses keine Beeinträchtigung mit sich brachte. So entschied man sich bewusst für eine damals ungewöhnliche und experimentelle Lösung, die sich inzwischen bewährt hat: Der Zellulosedämmstoff wurde in einer Stärke von zirka 20 Zentimetern direkt unter die vorhandene Biberschwanzdeckung eingeblasen. Es mussten lediglich die Firstziegel entfernt werden, um die Zelluloseflocken mit Hilfe eines Einblasschlauchs von oben in die Dachgefache einbringen zu können.

Dachdämmung hat sich bewährt

Im Mai 2001, also 13 Jahre nach der ausgeführten Dachdämmung, nahm ein Mitarbeiter der Herstellerfirma isofloc eine Kontrolle der Dachdämmung vor. Dabei wurden einige Ziegel abgedeckt und mit einem speziellen Messgerät der Feuchtigkeitsgehalt der Sparren und Dachlatten gemessen. Außerdem wurden an verschiedenen Stellen Proben der Zelluloseflocken entnommen, um sie später im Labor ebenfalls auf ihren Feuchtegehalt zu untersuchen. Die Feuchtigkeit der untersuchten Hölzer (Sparren und Latten) lag zwischen 20 und 25 Prozent und damit in einer für einen gewissen Zeitraum akzeptablen Höhe. Wiederholungsmessungen im Sommer zeigten, dass das Holz zwischenzeitlich wieder vollständig austrocknet. Die Werte der Zelluloseflocken lagen, wie üblich, jeweils unter der gemessenen Holzfeuchte. Die guten Ergebnisse überzeugten Hausbesitzer Rainer Wendorff: Die isofloc-Dachdämmung funktioniert bei einer Dämmstärke von 20 Zentimetern und ohne Hinterlüftung auch nach 13 Jahren noch einwandfrei.

Beste Lösung: Verschindelung?

Dringend sanierungsbedürftig war dagegen die Südfassade, mussten die Wendorffs bereits kurz nach ihrem Ein-zug 1994 feststellen. Die vertikalen Stiele zeigten sich zwar noch in gutem Zustand. Aber der verzierte Rähmbalken war in der Oberfläche so weit verfault, dass er nach dem Willen der Denkmalpflege hätte ausgewechselt werden müssen, um die Konstruktion als Sichtfachwerk zu erhalten. Die Ursache für den Schaden: ein in den Fünfzigerjahren angebrachtes Vordach über dem Hauseingang, bei dem nicht berücksichtigt worden war, dass Spritzwasser den Rähmbalken übermäßig belastet.

Nach langem Abwägen aller Möglichkeiten und aufgrund des Anspruchs der Wendorffs, mit "wenig behandelten Materialien historisch adäquat zu arbeiten", kam für die Bauleute aus Kostengründen schließlich nur eine Verschindelung des Sichtfachwerks am Giebel der Südseite bis zum massiv gemauerten Bereich in Frage. "Den Rähmbalken auszuwechseln, hätte für uns den Ruin bedeutet", konstatiert Rainer Wendorff. Die Bauphysik kam den Bauleuten als Argument für die geplante Maßnahme zur Hilfe: Durch eine zusätzliche Außenwanddämmung mit Hinterlüftung kann ein dauerhafter Schutz der Fassade sichergestellt werden.

Die Rechnung wurde allerdings ohne die Denkmalpflege aufgemacht – was prompt zum Baustopp führte. Da eine schnelle, vor allem bezahlbare Lösung in Abstimmung mit der Denkmalbehörde nicht absehbar, eine substanzerhaltende Maßnahme jedoch dringend geboten war, führten die Bauleute die Maßnahme auf eigenes Risiko durch. In Eigenleistung brachten sie 1997 die Traglattung auf das Sichtfachwerk auf. Anschließend wurde vom Kasseler Fachbetrieb Sinz & Partner der isofloc-Zellulosedämmstoff mit Hilfe einer Spezialdüse angesprüht. "Ein optimales Verfahren und Material", sagt Rainer Wendorff, denn die Oberfläche der Fachwerkkonstruktion war so uneben, dass Unterschiede von mehreren Zentimetern ausgeglichen werden mussten. Die Dämmstärke der Außenwand beträgt an manchen Stellen nur ein bis zwei Zentimeter, an anderen sechs bis sieben Zentimeter. Mit einem Plattendämmstoff hätte man an einer solchen Fachwerkwand gar nicht dämmen können. Abschließend wurden auf die Traglattung Holzschindeln montiert. Damit wurde nicht nur die Wärmedämmung der Fassade erhöht, sondern vor allem die Substanz dauerhaft vor Feuchteschäden geschützt. Am Ende hatten auch die Denkmalpfleger ein Einsehen und gaben nachträglich ihr Einverständnis.

Als Besitzer eines Denkmals ist Rainer Wendorff enttäuscht: "Von den Behörden wird man, wenn man sich technisch nicht auskennt, hoffnungslos im Stich gelassen." Vor allem auch, wenn es um bezahlbare Sanierungsmethoden geht. In solchen Fällen ist der Rat und die Erfahrung eines Sanierungsspezialisten gefragt, wie ihn zum Beispiel die isofloc-Dämmprofis bieten. Sie kennen sich mit dem Erhalt und der Dämmung auch komplizierter Wand- und Dachkonstruktionen aus.


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