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Schöne Fenster (II)

Seitdem sich unsere Vorfahren in Höhlen zurückgezogen haben, leben sie in mehr oder weniger geschlossenen Räumen, die sie vor allen Unbilden des Wetters schützen. Dadurch verbesserten sich die Lebensbedingungen unserer Vorfahren. Diese Tatsache hatte zur Folge, daß mehr fester Wohnraum benötigt wurde.Seitdem sich unsere Vorfahren in Höhlen zurückgezogen haben, leben sie in mehr oder weniger geschlossenen Räumen, die sie vor allen Unbilden des Wetters schützen. Dadurch verbesserten sich die Lebensbedingungen unserer Vorfahren. Diese Tatsache hatte zur Folge, daß mehr fester Wohnraum benötigt wurde. Denn hatte früher jede Sippe seinen "Schlafbaum", so mußte nun die ganze Gruppe auf relativ engem Raum zusammenwohnen. Deshalb haben die Menschen schon sehr bald gelernt, sich selbst eine Behausung zu schaffen. Auf diese Weise wurden sie unabhängig von Höhlen. Sie schufen sich Räumlichkeiten zum Leben, in die mehr Licht herein kommen konnte, als in eine "finstere Höhle", nämlich die Häuser.

Es fing einfach damit an, daß die damaligen Bauherren einfach Löcher in den Wänden ließen. So lange sich unsere Vorfahren in Gegenden ansiedelten, in denen es schön warm war, stellte das kein so großes Problem dar. Die ersten europäischen Hochkulturen entstanden ja zuerst in den mediterranen Ländern. Zu Beginn waren die Wände der Häuser so dick, daß sie die Stabilität des Hauses gewährten. Aus diesem Grund waren die Fenster nur relativ kleine Löcher in der Decke oder in den oberen Bereichen der Wände, die hauptsächlich der Belüftung der Zimmer dienten. Außerdem gingen diese Öffnungen auf den Innenhof und noch nicht zur Straße, wie man heute sagen würde. Mit der Fähigkeit, bei gleichbleibender Stabilität dünnere Wände zu bauen, wurde es möglich, größere Fenster in die Wände einzubauen. Natürlich waren das noch keine Wohnhäuser der einfachen Bevölkerung, sondern hauptsächlich sakrale Bauwerke oder Paläste, die mit schönen großen Fenstern (aber immer noch ohne Glas) ausgestattet wurden.

Die Glasherstellung ist seit ca. 1500 v.u.Z. bekannt. Zu dieser Zeit konnte aber noch kein reines, durchsichtiges Glas hergestellt werden. Das Glas aus dieser Zeit war eher trübe. In manchen Museen können wir heute noch Glasgeschirr sehen, daß unseren Vorstellungen von Glas so gar nicht entspricht. Diese Gegenstände sind häufig farbig und sehen aus, als hätte man das Glas im Meer gefunden. Daß also diese alten Glasgegenstände undurchsichtig sind, liegt nicht nur an der Beschädigung durch das lange Lagern in der Erde. Es konnte damals einfach nicht anders hergestellt werden. Aus dem Grund wurde es nur in seltenen Fällen für Fenster eingesetzt.

[IMG]schoene_f1.2.gif[/IMG]In der Antike wurden die Fenster zum Atrium hin eingebaut. Gab es trotzdem Fenster in der Außenwand des Hauses konnte man seine Privatsphäre etwas abgrenzen, indem man dünne Marmortafeln in die Löcher setzte. In anderen Gebieten wurden auch andere Werkstoffe zum Verschließen von Fenstern genutzt. So kamen Glimmer oder Häute zum Einsatz. Aus dem Orient kennen wir alle die Fenster, die durch ein filigranes Gitterwerk aus Stein verziert sind. Glas kam, wie schon gesagt, kaum zum Einsatz. In den römischen Thermen gab es allerdings Glasfenster, denn sie ließen das Licht in die Räume und die Wärme nicht nach außen gelangen.

Der Mensch ist von Anfang an ein Wanderer und so besiedelte er schon bald Gegenden, in denen es so kalt war, daß nicht einmal Äpfel gedeihen konnten. So äußerte sich vor mehr als 2000 Jahren Tacitus über das unwirtliche Germanien.

[IMG]schoene_f1.3.gif[/IMG]Aber womit verschlossen unsere direkten Vorfahren ihre Wandöffnungen, sofern sie welche hatten? Denn die Häuser der Germanen hatten nur in wenigen Regionen Wände mit Fenstern. Die meisten germanischen Häuser bestanden aus einem großen Raum. Das Haus war mit einem Dach gedeckt, welches weit an den Wänden heruntergezogen wurde. Die Luftzirkulation ermöglichte eine Öffnung im Dach über der Feuerstelle des Hauses. Gab es aber doch Häuser mit Fenstern, dann verwendeten die Germanen eher in Öl getränktes Pergament und spannten das im Winter, bzw. an kalten Tagen, vor das "Vindauga", wie es im altnordischen hieß. Diese Bezeichnung läßt schon erahnen, daß diese Öffnungen wirklich nur sehr klein sein konnten. Ein "Windauge" ließ nur den Wind in den Raum, weniger das Licht. Die Begriffe "Augadauro" und "Ougatora" zeigen, daß selbst in der Gotik und im Althochdeutschen ein Fenster noch poetisch umschrieben wurde und es als Augentüre oder Auge des Hauses bezeichnet wurde. In Norddeutschland bezeichnet man heute noch ein kleines Dachfenster als "Ochsenauge". Die Engländer haben ihre Bezeichnung für das Wort Fenster aus dieser Zeit übernommen und nennen es "window". Sicher ist die Sprachentwicklung genauso interessant, trotzdem wende ich mich an dieser Stelle wieder dem eigentlichen Thema Fenster zu.

- http://www.baumagazin.de/504