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Der Dachausbau (II)

In vorangegangenen Berichten wurde das Thema "Wände" bereits mehrfach von mir angeschnitten. An der Stelle interessiert uns jetzt, was beachtet werden muß, wenn der Dachboden so hoch ist, daß er über mehrere Etagen ausgebaut werden kann.In vorangegangenen Berichten wurde das Thema "Wände" bereits mehrfach von mir angeschnitten. An der Stelle interessiert uns jetzt, was beachtet werden muß, wenn der Dachboden so hoch ist, daß er über mehrere Etagen ausgebaut werden kann. Dies ist z. B. bei Häusern - vor allem bei ehemaligen Lagerhäusern - aus dem vorigen Jahrhundert der Fall. Alte Handelshäuser mit Lagerböden sind so hoch, daß es durchaus möglich ist, ein oder zwei Etagen einzubauen. Diese Häuser findet man vorzugsweise in Städten mit altem Stadtkern, wie z. B. Rothenburg, Erfurt oder Kiel, um nur einige zu nennen. Allerdings müssen bei diesen alten Häusern auch die Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden. Werden solche Dachböden ausgebaut, setzt das voraus, daß dort bereits Decken und Wände vorhanden sind, die eine derartige Zusatzbelastung aushalten. Nur unter dieser Voraussetzung können von Maurern oder Zimmerleuten neue Decken eingezogen werden. Diese Decken müssen von tragenden Wänden gehalten werden. Und das ist genau das Thema, mit dem wir uns hier beschäftigen wollen. Allerdings sind diese Arbeiten kaum mehr von Heimwerkern auszuführen. Es handelt sich auch nicht mehr um einen Trockenausbau.

Soll eine tragende Wand eingebaut werden, ist das mit einer Gipskartonwand nicht machbar. Solche Wände halten den Belastungen einer zusätzlichen Decke nicht stand. Selbstverständlich kann eine tragende Wand mit Gipskartonplatten verkleidet werden. Aber dazu später.

Eins steht fest: Derartige Baumaßnahmen müssen in jedem Fall von den entsprechenden Behörden genehmigt sein, denn es wird die Statik des Gebäudes verändert. Aus diesem Grund muß zunächst von einem Statiker die Belastbarkeit des bestehenden Gebäudes berechnet werden. Diese Berechnungen sind mit den weiteren Bauunterlagen bei der Bauaufsichtsbehörde in doppelter (oder auch dreifacher) Ausführung einzureichen. Der Architekt oder Bauingeningenieur, der die Unterlagen erstellt hat, muß diese auch unterschreiben. Was die Bauaufsichtsbehörde im Einzelfall alles benötigt, klärt man am besten vorher ab. Auf diese Weise erspart man sich eine Menge Zeit und Wege.

Regionale Besonderheiten werden hier durch die einzelnen Landesbauordnungen geklärt. In der Bauordnung steht, welche Bestimmungen eingehalten werden müssen. Richtlinien geben Auskunft über die Anlage von Bädern und Toiletten oder die Lage und Anzahl von Fenstern. Sie schreibt weiter vor, wieviel Bewegungsraum in einem Wohn- oder aber Nebenraum zur Verfügung stehen muß. Wichtig sind Fluchtwege, die gerade im Dachbereich sorgfältig zu planen sind. Die Bauordnung klärt ebenfalls die Anlage von Treppen, den Schall- und Wärmeschutz u.v.a. mehr.

Ist die Ausbaugenehmigung erteilt, kann mit dem Bau begonnen werden. Während des Umbaus wacht die Bauaufsichtsbehörde über die Einhaltung der Landesbauordnung. Sie nimmt auch die einzelnen Baustufen ab und gibt anschließend den Bau zum Wohnen frei.

Soweit zu den verwaltungstechnischen Belangen eines Dachbodenausbaus mit tragenden Wänden. Nun zum Ausbau selbst. Den Bauherrn interessiert natürlich, welche Bedingungen tragende Wände überhaupt erfüllen müssen. An dieser Stelle fällt natürlich jedem gleich ein, daß die Wand wohl das Gewicht der Decke tragen muß. Das stimmt natürlich, ist aber noch lange nicht alles. Weitere Anforderungen sind die Standsicherheit, der Brand-, der Schall- sowie der Wärmeschutz und der Schutz vor Feuchtigkeit. Nichttragende Wände müssen selbstverständlich auch standsicher sein. Der Schutz gegen Feuer, Nässe und gegen Wärmeverlust ist ebenfalls auch von nichttragenden Wänden zu erfüllen. Im Gegensatz zu den Innenwänden kommt bei Außenwänden noch der Schutz gegen Regen, Sonne, Verschmutzung und Korrosion hinzu. Diese besonderen Anforderungen an Außenwände sind aber hier für uns nicht von Bedeutung, weil diese bereits stehen. Anders ist es, wenn der Dachbodenausbau mit der Sanierung des Hauses zusammenfällt. In diesem Fall wird die Außenwand nach den neuesten Erkenntnissen des Wärme-, Schall- und Feuchtigkeitsschutzes usw. restauriert. Da die Außenwand logischerweise immer eine tragende Wand ist, sollte sie an dieser Stelle kurz erwähnt werden.

Kommen wir zu den Baumaterialien für tragende Innenwände. Im Gegensatz zum Trockenausbau, werden für solche Wände Mauersteine benötigt, die mit Mörtel oder anderen Bindemitteln verbunden werden.

Welche Baumaterialien werden konkret benötigt? Inzwischen gibt es ja nicht mehr nur "Ziegelsteine". Deshalb will ich nun auf einige "neuere" Baustoffe für Wände eingehen. Der Mauerziegelstein soll zuerst angesprochen werden, denn es gibt ihn heute in diversen Formen, wie z. B. Vollziegel, Hochlochziegel, Hochlochklinker, Vollklinker und Langlochziegel. All diese Steine bestehen aus Ton- und Lehmverbindungen und sind gebrannt. Klinker sind bis zur Sinterung gebrannt worden und erfüllen dadurch höchste Anforderungen an die Korrosion. Dementsprechend hoch ist auch der Preis solcher Steine. Verständlicherweise werden sie auch nicht für den Innenausbau verwendet. Es handelt sich um typische Außenwandsteine, die nicht mehr verputzt werden müssen. Im Innenausbau setzt man sie höchstens für gestalterische Zwecke ein.

[IMG]der_dachausbau4.2.gif[/IMG]Leichtziegel sind eine weitere Art Stein für tragende Wände. Sie bestehen wie Ziegel aus einem Gemisch von Ton und Lehm und enthalten zusätzlich Magerungsmittel bzw. porenbildende Stoffe. Diese Stoffe sorgen für eine rauhe Oberfläche und gewährleisten auf diese Art eine gute Haftung des Putzes und eine gute Wärmedämmung. Sie lassen sich leicht bearbeiten, wie z. B. sägen, fräsen, schleifen usw.

[IMG]der_dachausbau4.3.gif[/IMG]Kalksandsteine gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung. Sie werden künstlich durch Pressen von Sand unter hohem Druck in eine Steinform gebracht. Nur in seltenen Fällen kommt Natursandstein zum Einsatz, was letztlich auch eine Frage des Preises ist. Abgesehen davon eignet sich Sandstein hervorragend für tragende Wände. Er hält höchsten statischen Belastungen stand.

Soweit zum Thema Steine aus den bekannten Rohstoffen. Steine, die aus Natur- und Hüttenbims, Schlacke, Blähton oder Ziegelsplitt bestehen, bezeichnet man als Leichtbeton-, Hohlblock- oder Vollsteine. Für den Innenausbau lassen sich bereits solche Hohlblocksteine einsetzen, um tragende Wände errichten zu können. Weiter gibt es reine Bimssteine, Blähbetonsteine, Porenbeton (Gasbeton) und Schalungssteine.

[IMG]der_dachausbau4.4.gif[/IMG]Dem Gasbeton soll nun unsere Aufmerksamkeit gelten, denn er ist ein leichter Baustoff, den es bereits in unterschiedlichen Formen und Stärken gibt. Der (Kunst-) Stein läßt sich besonders leicht be- und verarbeiten. Der Kunststein ist gleich in mehrerer Hinsicht ein "Kunststein". Einmal besteht er aus Stoffen, die in dieser Form nicht in der Natur vorkommen, und zweitens wird der Grundstoff (Ausgangsmaterial) in Formen gegossen, und es können auf diese Weise alle möglichen und unmöglichen Formen erzeugt werden. "Verklebt" werden solche Steine mit einem Dünnbettmörtel mit nur 1 - 2 mm Fugen. Da diese Steine extrem leicht sind, können sie größer als normale Steine hergestellt werden. Auf diese Weise bekommt man in relativ kurzer Zeit die Wand fertig. Wie schon der Name "Porenbeton" zum Ausdruck bringt, haben diese Steine sehr viele Poren. Die große Menge an eingeschlossener Luft im Stein ermöglicht gute Dämmwerte. Gasbetonsteine haben die niedrigsten Wärmeleitfähigkeitswerte.

[IMG]der_dachausbau4.5.gif[/IMG]Soweit zu den Wänden aus Steinen. Auf eine weitere Wandform bin ich hier noch nicht eingegangen. Sie soll aber schon allein aus Gründen der Attraktivität nicht unerwähnt bleiben: Gemeint ist das Fachwerk. Es bietet die Möglichkeit, bestehende Holzkonstruktionen einfach mit einzubeziehen. Gerade der Dachstuhl besteht bei den meisten Häusern aus einer Holzkonstruktion. Solche Arbeiten setzen aber umfangreiche Zimmermannskenntnisse voraus. Balkenkostruktionen können jedoch gleichzeitig innenarchitektonisch in die Raumgestaltung mit einbezogen werden. Werden die Zwischenräume zwischen den Balken gefüllt und die Balken bleiben sichtbar, kann eine solche Wand ein attraktives Gestaltungselement ergeben. Als Füllmaterial dienen nicht nur Steine, sondern auch Lehmfüllungen in verstärktem Maß. Lehm findet als Baustoff am Bau immer mehr Akzeptanz. Da mit jedem neuen Zimmer auch eine Tür notwendig wird, sind für diese Türen "Stürze" in die Mauer mit einzubringen. Heutzutage bestehen Stürze zum größten Teil aus Beton und haben genormte Maße. Sie entsprechen den Türbreiten und Wanddicken. Ein Fenstersturz kann bei tragenden Zwischenwänden außer Acht gelassen werden, denn in der Regel bringt man Fenster nur an Außenwänden an. Stürze überbrücken große Abstände zwischen zwei Mauerteilen und leiten die Kräfte auf diese Teile der Mauer ab.

Stehen die Wände, werden sie verputzt oder aber mit einer Verkleidung versehen. Es ist zu bedenken, daß Putz nicht gleich Putz ist. Putze für Innenräume müssen eben, wasserdampfdurchlässig, kappilarsaugend und gut haftend sein. Geputzt wird vor dem Einbringen des Estrich und dem Verlegen des Fußbodens. Alle Elektro- und Installationsarbeiten müssen beendet sein.

Und so müßte ich auf Themen zu sprechen kommen, die für einen "Hobelspan", wie mich zu umfangreich werden. Das Putzen und die Installation sind Aufgaben für Maurer und Klempner. Deshalb soll hier abschließend gesagt werden:Wer hobeln tut, der macht Holzwände gut.

- http://www.baumagazin.de/524