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Schöne Treppen (III)

Wangentreppen sind Treppen, die so gebaut sind, daß sich zwischen einem linken und einem rechten Brett die Stufen befinden. Diese Bretter bilden so den rechten und linken Abschluß der Treppe.Wangentreppen sind Treppen, die so gebaut sind, daß sich zwischen einem linken und einem rechten Brett die Stufen befinden. Diese Bretter bilden so den rechten und linken Abschluß der Treppe. Auf dem nebenstehenden Bild ist eine ganz einfache Treppe in Form einer Brücke dargestellt. Die beiden Wangen sind deutlich zu erkennen. Aber nicht nur gerade Treppen können Wangentreppen sein, sondern genauso gut auch gewendelte Treppen. Hier wird der Handwerker besonders herausgefordert, da er die Stufen zwischen zwei Wangen bringen muß, die sich wie eine Schraube nach oben winden.

Auf dem Bild der Wangentreppe auf dieser Seite läßt sich erkennen, wie das Auftrittsbrett vom Seitenbrett, der Wange, gehalten wird. Die Stufen sind in die Wangen eingearbeitet und werden von diesen gehalten, ohne daß Schrauben und Nägel dazu benötigt werden. Der Tischler kennt zwei Methoden, um die Stufen zwischen den Wangen zu befestigen. Einmal das Stemmen und als zweites das Einschieben (Graten).

Was hat das Stemmen mit Treppen zu tun? Kommt es gar vom Gewichtheben? Natürlich nicht. Der Tischler zeichnet sich die Form des Auftrittsbretts auf der Wange an und stemmt an der markierten Stelle mit einem Stecheisen ein Loch in der Form dieses Bretts in die Wange. Diese Arbeit muß sehr sorgfältig ausgeführt werden, damit die Treppe nach dem Zusammenbau nicht knarrt. Heute lösen moderne Fräsmaschinen die Stecheisen ab. Diese Maschinen sind wesentlich genauer und außerdem noch schneller. In das ausgestemmte Loch wird die Stufe eingesteckt und von der Wange gehalten. Und wie tief wird eingestemmt? Die Löcher dürfen nicht tiefer als 2/3 der Brettstärke sein, um die Stabilität der Wange nicht zu gefährden. Eine eingestemmte Treppe erkennt man daran, daß die Wange breiter als das Trittbrett ist. Die Stufe steckt richtig in dem Seitenbrett und geht nicht durch die Wange hindurch. Dies hängt mit der erforderlichen Stabilität der Wange zusammen. Den Abstand zwischen der Kante der Stufe und der Kante der Wange bezeichnet der Tischler als Besteck.

[IMG]treppe8.3.gif[/IMG]Jetzt wissen wir auch, warum der Fachmann diese Art von Treppen "Gestemmte Treppen" nennt. Allerdings müssen bei solchen Treppen die Wangen durch Treppenbolzen zusammengehalten werden. Diese Bolzen sind runde Metallstäbe, an deren Enden Gewinde sind, die dann mit Hilfe von Muttern die Wangen an die Auftrittsbretter pressen. Nur so kann eine entsprechende Festigkeit gewährt werden. Die Muttern werden unter Dübeln versteckt. Sie sind das offensichtliche Merkmal einer solchen Wangentreppe.

[IMG]treppe8.4.gif[/IMG]Eine weitere Form der Wangentreppe ist die "Eingeschobene Treppe". Wie der Name schon sagt, wird bei dieser Treppenform das Auftrittsbrett in eine Nut in der Wange eingeschoben. Mit Hilfe der Grafik wird deutlich, daß die Nut und das Ende der Stufe in Form eines Schwalbenschwanzes eingefräst (gegratet) sind. Die gegratete Stufe gibt der Treppe die richtige Stabilität, so daß hier auf solche Treppenbolzen wie bei der gestemmten Wangentreppe verzichtet werden kann.

So haben wir die blanke Wangentreppe, und es bleibt zu überlegen, welche Wange zur Wand zeigt. Diese Überlegung stellt der Tischler aber nicht erst an, wenn er die Treppe fertig hat, sondern er sucht bereits das Holz für die Wangen dementsprechend aus. Wir unterscheiden zwischen der "Wandwange" und der "Lichtwange". Wie der Name Wandwange andeutet, befindet sich diese Wange an der Wandseite. Mit ihr kann die Treppe auch an der Wand befestigt werden. Beide Wangen gehen über die ganze Länge der Treppe und werden an den Podesten mitbefestigt. Der Tischler fügt zu diesem Zweck Bohlen zu einem Endlosbrett zusammen. Für die Lichtwange, die jederzeit zu sehen ist, sucht der Tischler das schönere Brett (besser: Bohle) aus. Nicht umsonst wird eine Treppe als ein Schmuckelement des Raumes wahrgenommen. In alten Treppenhäusern sind Treppen oft regelrechte Kunstwerke. Achten Sie darauf, wenn sie das nächste Mal ein Schloß oder ein anderes ehrwürdiges Haus betreten. In solchen Häusern stehen die Lichtwangen richtig im "Rampenlicht".

[IMG]treppe8.5.gif[/IMG]Es gibt aber nicht nur Treppen, die auf beiden Seiten Wangen haben. Eine Mischform mit einer Wange, bei der die Stufen eingestemmt sind, und einer Wange, bei der die Stufen aufgesattelt sind, zeigt das Bild rechts. Solche Beispiele zeigen die Vielfalt von Treppen auf. Nicht eingegangen werden soll an dieser Stelle auf Treppen aus anderen Materialien. Wangentreppen gibt es aus den üblichen Baustoffen, aus denen man Treppen herstellen kann. Bei Metalltreppen gibt es selbstverständlich genauso Wangen, wie bei Treppen aus Stein. Bei diesen Treppen werden die Stufen aber nicht in jedem Fall eingestemmt ober gegratet. Bei anderen Werkstoffen sind andere Technologien notwendig.

- http://www.baumagazin.de/538