Not macht erfinderischErfrolgreicher Test zum Einsatz von Pflanzenresten als Holzersatz für Spanplatten

Brennholz,Pellets, Papier, Zellstoff - die Hersteller von Spanplatten sehen sich im Kampf um den Rohstoff Holz stetig wachsender Konkurrenz gegenüber. Der Hauptbestandteil der von Spanplatten, Sägespäne, sowie Wald oder Recyclingholz ist insbesondere auch im wachsenden Energiesektor gefragt. So musste die Branche in Europa bereits die in den von besonderer Holzknappheit geprägten Jahren 2006 und 2007 bei bis zu rund 50 Prozent lagen.Not macht bekanntlich erfinderisch und so hat der Holzwerkstoff-Hersteller Lud. Kuntz. GmbH auf die chronische Verknappung seines Rohstoffs mit der Suche nach Alternativen reagiert. Gefördert vom Bundesministerium Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wurde der Einsatz verschiedener Ackerkulturen und ihrer Nebenstoffe getestet. Denn auch Raps- und Weizenstroh, Topinamburstängel, Miscanthus oder Hanfschäben enthalten die in der Spanplattenproduktion benötigten Lignocellulosen.
Besonderes Augenmerk lag bei dem drei Jahre währenden Test auf der Wirtschaftlichkeit: Die alternativen Rohstoffe sollten anteilig in den Produktionsablauf integriert werden ohne Wirtschaftlichkeit oder Produktqualitäten in Frage zu stellen.
Es zeigte sich, dass dies durchaus möglich ist: Je nach Art der Platten und eingesetzten Bindemittel konnten verschiedene Reststoffe ohne nennenswerte qualitative Einbußen und Verändernug der Produktionsabläufe im Praxismaßstab in unterschiedlichen Mengen beigemischt werden. Die Wirtschaftlichkeitskalkulation ergab derzeit noch geringe Mehrkosten für die Rohstoffbeschaffung, die sich jedoch bei dem erwarteten Anstieg der Holzpreise schnell relativieren könnten.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Spanplatten, die mit Bindemitteln aus Tannin- und Phenolformaldehydharzen in feuchtebeständiger Verleimung hergestellt werden, können bis zu 17 Prozent Rapsstroh enthalten, ohne dass sich ihre Festigkeitsparameter verschlechtern. Einzige Ausnahme ist die Kochquerzugfestigkeit, die jedoch die Grenzwerte nicht unterschreitet. Die ohnehin sehr niedrigen Formaldehydemissionen der Platten stiegen durch den Rapsstrohanteil nicht an.
Zu ähnlichen Resultaten führte der Einsatz von Rapsstroh in mit Harnstoffformaldehydharzen gebundenen Spanplatten.
Versuche mit leichten, mehrschichtigen Platten für den Möbelbau, gebunden mit Harnstoffformaldehydharzen, zeigten, dass die Mittelschicht bis zu 50 Prozent Miscanthus oder Topinamburstängel enthalten kann, ohne dass sich die physikalisch-technischen Eigenschaften nennenswert verschlechtern. Bei der Verwendung von Raps- und Weizenstroh in diesen Mengen ließ die Festigkeit der Platten hingegen deutlicher nach.
Für die Industrie ist insbesondere interessant, dass sich die Oberflächeneigenschaften, relevant für das Schleifen, Beschichten und Lackieren, von Mehrschichtplatten durch die Beimischung von Miscanthus oder Topinamburstängel nicht verändern. In der Deckschicht würde der hohe Anteil an Asche und Silikaten den Holzbearbeitungmaschinen schaden - in der Mittelschicht ist er jedoch tolerierbar. Der Hersteller geht davon aus, dass ddass Ackerpflanzen durchaus irgendwann die preisgünstigere Alternative sein könnte - derzeit liegen die Mehrkosten noch je nach benutztem Material im einstelligen Prozentbereich.

Autor: jn - //www.baumagazin.de/4478