Wissenschaftler bestätigt: „Siegeszug der Mikroelektronik ohne Sand nicht möglich“

Erfolgreiche Fachtagung „Forum Kies+Sand 2004“ in Aachen: „Wenig Zukunftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft“ prognostizierte Michael Glos MdB, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, anlässlich der Fachtagung „Forum Kies+Sand 2004“ in Aachen„Wenig Zukunftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft“ prognostizierte Michael Glos MdB, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, anlässlich der Fachtagung „Forum Kies+Sand 2004“ in Aachen. Die Wachstumsprognosen für 2004 seien bereits nach unten revidiert. Auch die viel beschworenen Frühindikatoren verzeichneten Besorgnis erregende Rückschläge. Ohne sich festlegen zu wollen, betonte der Politiker vor rund 750 Teilnehmern aus Industrie, Politik und Verwaltung: „Wir stehen vor einem Aufschwung ohne Schwung, vor einer konjunkturellen Aufhellung, die nicht zur erhofften Wende auf dem Arbeitsmarkt führen wird.“ Davon betroffen seien nahezu alle Branchen der Wirtschaft. Auch die Kies- und Sandindustrie spüre die Folgen anhaltender Talfahrt der Bauwirtschaft. Obwohl als Gründe oft bemüht, sei Deutschland nicht durch externe Faktoren zum Sanierungsfall geworden, sondern durch hausgemachte Probleme. Dies zeigten hohe Arbeitskosten und geringste Arbeitszeiten, ein verkrusteter Arbeitsmarkt, gesetzliche Lohnnebenkosten von über 40 % und die prekäre Situation der öffentlichen Haushalte.

Diese strukturellen Defizite könnten nur im Rahmen eines längerfristig angelegten und in sich geschlossenen Reformkonzepts überwunden werden. Die Agenda 2010 weise in die richtige Richtung, sei aber zu zaghaft und enthalte erhebliche Schwachstellen. Mit Mut und Augenmaß angegangene Reformen führten zwar nicht über Nacht zum gewünschten Erfolg. Dennoch seien sie unverzichtbar, sollten Wohlstand und soziale Sicherheit sowie eine führende Position im Zeitalter der Globalisierung aufrechterhalten werden. „Allerdings darf bezweifelt werden, dass die Regierung aus SPD und Grünen dazu in der Lage ist“, so Glos.

Zu einer spannenden Zeitreise rund um das Element Silicium lud Prof. Dr. Johann
Weis, Wacker Chemie, das Auditorium in seinem Festvortrag „Silicone, Solarmodule und Mikrochips - Multitalente aus Sand“ ein. Der weltweit führende Wissenschaftler im Bereich der Silikone bezeichnete auf Silicium basierende Technologien als „Meilenstein des Fortschritts in der Entwicklung der Menschheit“. Spätere Generationen würden die heutige Zeit deshalb vielleicht einmal das "Silicium-Zeitalter" nennen. Die weltweite Jahresproduktion bezifferte er auf heute ca. 1 Mio. Tonnen. Zur Herstellung dieser Menge werden etwa 2,5 Mio. Tonnen Quarzsand benötigt. Aufgrund vielfältigen Produkt- und Anwendungsspektrums sind Silikone in nahezu allen Industriebereichen eingesetzt. Der Weltmarkt für Silikone beläuft sich zwischenzeitlich auf insgesamt 10 Mrd. €. Der Durchbruch gelang, als sich Silicium als Schlüssel zur Mikroelektronik erwies. Dank einzigartiger physikalischer Eigenschaften des Halbleiters Silicium begann der beispiellose Siegeszug der Mikroelektronik. Die damit verbundenen Möglichkeiten der Datenspeicherung und -verarbeitung revolutionierten nach und nach alle Lebensbereiche. Ob hochleistungsfähige Megaspeicher oder hochkomplexe Mikroprozessoren, ob andere Halbleiter-Bauelemente oder auch Solarzellen und damit die Photovoltaik - sie alle basieren auf hochreinem Silicium. Der erforderliche, unverzichtbare Rohstoff für diese Technologien ist, so Prof. Weis, „das Multitalent Sand, das in nahezu unbegrenzter Menge auf der Erde vorhanden ist“.

Eine gelungene Premiere konnte das TechnikForum live vorweisen. Auf eigener Bühne wurden neue technische Entwicklungen für die Kies- und Sandindustrie praxisnah und handfest vorgestellt, kompetent moderiert durch Professor Hermann Wotruba von der RWTH Aachen. Wie der Veranstalter Bundesverband der Deutschen Kies- und Sandindustrie e.V. (BKS), Duisburg, mitteilt, wird aufgrund positiver Resonanz bei Ausstellern und Teilnehmern „diese neue Form der technischen Produktpräsentation zu einem festen Bestandteil der traditionsreichen Fachtagung werden“.

Optimierte Aufbereitung und neue Einsatzmöglichkeiten von Kies und Sand standen im Mittelpunkt von Fachvorträgen und Diskussion. So könnte ein weiterentwickeltes, hohes Aufbereitungsniveau von Sand sich als entscheidender Faktor für die Herstellung moderner Hochleistungsbetone erweisen. Mit der Zugabe von gebrochenem Kiessplitt sei es durchaus möglich, Kiestragschichten mit erhöhter Standfestigkeit für den Verkehrswegebau zu erreichen. Um das Kies- und Sandunternehmen an sich und damit um handfeste ökonomische Interessen ging es in der Vortragsreihe „Rechnen - Kalkulieren - Optimieren, in schlechten Zeiten mehr denn je“. Die Betriebskosten in den Griff zu bekommen, wurde dabei ebenso herausgearbeitet wie die Notwendigkeit einer Kunden orientierten Vertriebspolitik, unterstützt durch richtiges Verhalten im Wettbewerb und intelligentes Verkaufen.

Große Resonanz verbuchte die Verleihung des ersten Deutschen Wiederherrichtungspreises durch den Extremabenteurer Arved Fuchs. Verliehen wurden fünf Preise, zwei Auszeichnungen und zusätzlich ein Sonderpreis für besondere Öffentlichkeitsarbeit. Das Spektrum der zu bewertenden Objekte reichte von Biotopen für Fauna und Flora über Flächen für Freizeitmöglichkeiten bis zu einem Steingarten. Sie verdeutlichten einmal mehr die Leistung der Unternehmen, die hinter einer solchen Wiederherrichtungs-Maßnahme stehe. Ein Resümee, das sich auch in den Vorträgen zum Thema Naturschutz durchsetzte. Einhellig wurde die Auffassung vertreten, dass sich der Dauerkonflikt zwischen Naturschutz und Rohstoffgewinnung zu einem fruchtbaren Miteinander zu entwickeln beginne, verbunden mit nachhaltiger Imageverbesserung der Kies- und Sandindustrie. Nicht zuletzt deshalb würde das Aachener Forum von maßgeblichen Naturschutz- und Genehmigungsbehörden intensiv als Plattform für Dialog und Erfahrungsaustausch genutzt.

In diese Richtung zielte auch das ungewöhnliche Mediationskonzept „Völlig von der Rolle - pro ist contra“ als Abschlussforum, moderiert von MdL Holger Ellerbrock.
Ausgangspunkt für diese Thematik sei der vielerorts noch immer vorhandene „Tunnelblick“. Schlüpfe man aber in die Rolle des Gegenübers und argumentiere von dieser Seite, könnten verhärtete Fronten aufgebrochen werden. In Spielszenen und Rollentausch wurde die tägliche Praxis aufgearbeitet. Der Umweltschützer versetzte sich in die Lage des Kies- und Sandproduzenten, der Kieshersteller machte sich die Argumente des Transportbetonherstellers zu eigen, der Verbandsfunktionär übernahm die Rolle des Unternehmers. Moderator Ellerbrock: „Die Mediation hat gezeigt, wenn jede Partei die gewohnten Argumentationsmuster verlässt und sich ernsthaft mit den Gegenargumenten auseinandersetzt, wird schnell ersichtlich, dass es eigentlich gar keine unversöhnlich nebeneinander stehenden Gegensätze gibt: Man kann sich einigen und zu einem verträglichen Mit- und Nebeneinander kommen. Denn man kann miteinander reden.“

Weitere Informationen erteilt:

Bundesverband der Deutschen Kies- und Sandindustrie e.V.
Düsseldorfer Straße 50, 47051 Duisburg
Tel.: 0203 - 99239-47; Fax: 0203 - 99239-98 - www.bks-info.de

- //www.baumagazin.de/2094