EZB hält still - Baugeldzinsen stabil *von Robert Haselsteiner

Wie von uns erwartet hat die EZB dem aufkommenden Druck der Politik nicht nachgegeben. Der Leitzinssatz in Euroland bleibt vorerst bei 2%. Sicherlich hat auch die zuletzt kräftige Abschwächung des Euro auf 1,22 gegenüber dem Dollar diese Entscheidung leichter gemacht. Allerdings gehen wir davon aus, dass es sich bei der Dollar-Erholung um eine Korrektur im Abwärtstrend und nicht um eine Trendumkehr handeltWie von uns erwartet hat die EZB dem aufkommenden Druck der Politik nicht nachgegeben. Der Leitzinssatz in Euroland bleibt vorerst bei 2%. Sicherlich hat auch die zuletzt kräftige Abschwächung des Euro auf 1,22 gegenüber dem Dollar diese Entscheidung leichter gemacht. Allerdings gehen wir davon aus, dass es sich bei der Dollar-Erholung um eine Korrektur im Abwärtstrend und nicht um eine Trendumkehr handelt. Zu viele Spekulanten waren in den letzten Monaten auf den fahrenden Zug aufgesprungen und haben gegen den Dollar gewettet. Diese Dollar-Short-Positionen sind jetzt von Gewinnmitnahmen einiger großer Investoren und den Interventionskäufen der japanischen Notenbank überrascht worden. Die Nervosität bei den Devisenspekulanten ist daher groß, und wir erwarten, dass der Dollar bis auf 1,15 steigen kann, bevor er im 2. Halbjahr wieder deutlich schwächer wird. Die EZB gewinnt damit Zeit, die nächste Zinssenkung hinauszuzögern und sich den Spielraum bei den Zinsen zu erhalten. Wir rechnen aber damit, dass wir im Sommer eine weitere Leitzinssenkung sehen werden, da die Binnenkonjunktur in Europa einfach nicht anspringen will. Die Konsumzurückhaltung besonders in Deutschland, Frankreich und Italien bleibt bestehen, und die Investitionstätigkeit der Unternehmen wird durch unausgelastete Kapazitäten gebremst. Vor diesem Hintergrund wird das Wachstum in 2004 enttäuschend ausfallen, und die Inflationsraten werden in Euroland weiter zurückgehen. Damit bleibt der mittelfristige Ausblick für die langfristigen Kapitalmarktzinsen positiv. In den USA wird uns über die nächsten Monate die Spekulation über eine Zinserhöhung der Federal Reserve begleiten. Wir sehen aber die Qualität der wirtschaftlichen Erholung dort auf relativ schwachem Fundament, so dass Alan Greenspan kein Risiko eingehen wird. Je näher die Präsidentschaftswahl kommt, desto unwahrscheinlicher wird eine Zinserhöhung - außer es kommt zu einer ausgeprägten Verbesserung der Situation auf dem US-Arbeitsmarkt. Für die nächsten Wochen erwarten wir die Zinsen - gemessen an den Sätzen für 10-jährige Pfandbriefe - zwischen 4,20% und 4,35% (derzeit 4,25%). Immobilienkäufer, die kurz vor der Kaufpreiszahlung stehen, sollten daher in den nächsten Tagen die tiefen Sätze nutzen.

Finanzierungskunden, die auch für die nächsten Jahre auf schwaches Wachstum und damit niedrige Geldmarktzinsen setzen, können mit dem FlexPlus-Darlehen, das an den 6-Monats-EURIBOR-Satz gekoppelt ist, ihre monatliche Belastung besonders niedrig halten. Der aktuelle Zinssatz liegt bei 3,17%. Es besteht jeweils zum Zinsanpassungstermin die Möglichkeit, das Darlehen teilweise oder komplett zu tilgen. Eine Zinsobergrenze, die für die nächsten 10 Jahre bei 6,50% liegt, bietet zusätzliche Sicherheit.

Die Bestsätze (effektiv) für Annuitätendarlehen für 5 Jahre liegen derzeit bei 3,66%, für 10 Jahre bei 4,41%, für 15 Jahre bei 4,70%, für 20 Jahre bei 5,11% und für 27 Jahre bei 5,23%.

Tendenz:
- kurzfristig: seitwärts
- mittelfristig: abwärts

* Robert Haselsteiner ist Gründer und Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking - unter anderem im Fixed Income Bereich - bei Salomon Brothers und Goldman Sachs.

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