Steigender Ölpreis hält die Zinsen tief*von Robert Haselsteiner

An den Zinsmärkten ist derzeit ein Paradoxon zu beobachten, welches der Lehrbuchlogik widerspricht. Die Ölpreise steigen seit Wochen von einem Rekordstand zum nächsten und die langfristigen Zinsen sinken im Gleichklang - ganz im Gegenteil zur üblichen Logik, dass galoppierende Ölpreise zu steigender Inflationsangst und damit zu höheren Zinsen führen müsstenAn den Zinsmärkten ist derzeit ein Paradoxon zu beobachten, welches der Lehrbuchlogik widerspricht. Die Ölpreise steigen seit Wochen von einem Rekordstand zum nächsten und die langfristigen Zinsen sinken im Gleichklang - ganz im Gegenteil zur üblichen Logik, dass galoppierende Ölpreise zu steigender Inflationsangst und damit zu höheren Zinsen führen müssten. Die Investoren an den Märkten denken aber anders: Sie sehen die hohen Ölpreise als massive Bremse für den privaten Konsum und die Gewinnaussichten von Unternehmen. Sie erwarten eine Abkühlung der Wirtschaftsentwicklung; ein Aufflackern von Inflation wäre dann nur von temporärer Natur. Diese Einschätzung zeigt auch, wie skeptisch die Wachstumsaussichten in den USA und in Europa bewertet werden. Im heutigen Ölpreis von 49 US-Dollar stecken inzwischen 15-20 Dollar Unsicherheits- und Panikprämie. Insofern erwarten wir zwar für die nächsten Wochen eine anhaltende Spekulation auf höhere Ölpreise - und damit niedrige Zinsen -, es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die Spekulationswelle wieder zusammenbricht und mit etwas positiveren Konjunkturdaten in den USA auch eine Korrektur am Anleihemarkt eintritt. Die Baugeldzinsen sehen wir daher im Laufe des Herbsts wieder um 0,30 - 0,50 Prozent höher und empfehlen, die aktuellen Tiefstände zu nutzen und die Zinsen festzuschreiben.

Für Zinsoptimierer, die Sicherheit mit Chance verbinden wollen, bleiben in diesem Umfeld lange Kombi-Darlehen sehr interessant. Sie bieten derzeit für Immobilienkäufer eine gute Möglichkeit, eine lange Zinsbindung mit den Vorteilen flexibler Sondertilgungen ohne Aufpreis zu vereinen. Dabei werden bis zu 50% der Darlehenssumme an den EURIBOR-Satz gebunden, was zu einer deutlichen Reduzierung der laufenden Belastung führt. Über ein Kombi-15 erhält man einerseits 15-jährige Zinssicherheit für einen Teil des Darlehens, kann aber nach 10 Jahren über das gesetzliche Kündigungsrecht je nach Marktlage nochmals flexibel reagieren. Wer jedes Prolongationsrisiko ausschließen möchte, wählt am besten ein Konstantdarlehen, das mit 5,36% effektiv bis zur vollständigen Rückzahlung nach 28 Jahren eine durchgehende, konstante monatliche Rate bietet und damit die Kalkulation besonders einfach macht.

Die Bestsätze für Annuitätendarlehen für 5 Jahre liegen derzeit bei 3,68%, für 10 Jahre bei 4,39%, für 15 Jahre bei 4,72% und für 28 Jahre bei 5,36 % effektiv.

Tendenz:
- kurzfristig: seitwärts
- mittelfristig: aufwärts


* Robert Haselsteiner ist Gründer und Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking - unter anderem im Fixed Income Bereich - bei Salomon Brothers und Goldman Sachs.

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