Zinstrends in USA und Euroland derzeit gegenläufig*von Robert Haselsteiner

Der Interhyp-Zinskommentar vom 26. November 2004 - Zum ersten Mal seit Jahren hat sich in den vergangenen Wochen eine Entkopplung der Zinsentwicklung in den USA und Euroland eingestellt. Während die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen in den USA seit Ende Oktober um fast 30 Renditestellen angestiegen sind, sind die Zinssätze im Euro-Gebiet um 15 Renditestellen gesunkenZum ersten Mal seit Jahren hat sich in den vergangenen Wochen eine Entkopplung der Zinsentwicklung in den USA und Euroland eingestellt. Während die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen in den USA seit Ende Oktober um fast 30 Renditestellen angestiegen sind, sind die Zinssätze im Euro-Gebiet um 15 Renditestellen gesunken. Der Grund für diese rasante Entkopplung liegt in der unerwartet heftigen Abwertung des Dollars. Daraus resultieren die Spekulationen auf mehr Wachstum in den USA und eine weitere Rezessionsgefahr in Europa. Mit brachialer verbaler Gewalt wird der Dollar derzeit schwach geredet. Amerikanische Politiker und auch Alan Greenspan haben sich offenbar dazu entschieden, die amerikanischen Wachstumsziele zu erreichen und auch den Abbau des historisch hohen Leistungsbilanzdefizits auf diese Weise zu lösen. Was für die USA positiv ist, setzt Europa weiter unter Druck - bisher bleibt der EZB und den europäischen Politikern nur die Rolle des verblüfften Zuschauers. Die allgegenwärtigen Hedge-Fonds nutzen das Thema Dollar-Schwäche indes kräftig aus. Doppelt überraschend ist, dass der Euro gerade in Zeiten Rekordhöchststände erklimmt, in denen öffentlich über die Aufweichung der Maastricht-Kriterien diskutiert wird und in denen bekannt wurde, dass sich Griechenland den Euro-Beitritt durch kreative Buchhaltung ermöglicht hat. Gegenwärtig jedenfalls erreicht der Euro jeden Tag ein neues Hoch. Damit rückt eine Leitzinserhöhung durch die EZB in immer weitere Ferne. Vielmehr ist bei anhaltender Stärke in den nächsten Monaten mit einer Leitzinssenkung zu rechnen. Der Kapitalmarkt passt vor diesem Hintergrund die Konjunkturprognosen schrittweise nach unten an. Auch für die Baugeldzinsen ist vorerst, außer für technische Korrekturen, kein Spielraum nach oben gegeben.

Für Immobilienkäufer bleibt das Umfeld daher günstig. Vor allem die Zinsrückgänge bei den langfristigen Zinsbindungen ermöglichen es, die historisch niedrigen Zinsen langfristig festzuschreiben und den zusätzlichen finanziellen Spielraum für höhere Tilgungsraten zu nutzen. Der Vergleich zwischen monatlicher Miete und Belastung aus einer Finanzierung fällt immer mehr zu Gunsten des Eigenheimerwerbs aus. Mit einer Monatsrate von 1.000 Euro kann inzwischen ein 10-Jahres-Darlehen über fast 240.000 Euro mit 1%-Tilgung bedient werden. Umschuldungskunden haben mit günstigen bereitstellungszinsfreien Angeboten die Möglichkeit, die aktuell attraktiven Zinsen bereits bis zu 12 Monate vor Ablauf der alten Zinsbindung festzuzurren.

Die Bestsätze für Annuitätendarlehen für 5 Jahre liegen derzeit bei 3,34%, für 10 Jahre bei 4,04%, für 15 Jahre bei 4,36%, für 20 Jahre bei 4,67% und für 26 Jahre bei 5,02% effektiv.

Tendenz:
- kurzfristig: seitwärts
- mittelfristig: seitwärts


* Robert Haselsteiner ist Gründer und Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking - unter anderem im Fixed Income Bereich - bei Salomon Brothers und Goldman Sachs.

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