EZB bremst den Zinsrückgang*von Robert Haselsteiner

Die klaren Aussagen von EZB-Präsident Trichet nach der gestrigen Notenbank-Sitzung haben zu einer Abkühlung am europäischen Anleihemarkt geführt. Besonders die kurzen Laufzeiten haben nach oben korrigiert, nachdem Trichet die Aussicht auf eine Leitzinssenkung der EZB vehement dementiert hat. Dabei wäre eine Leitzinssenkung vor dem Hintergrund des extrem starken Euro durchaus sinnvoll. Diese Haltung macht eigentlich nur Sinn, wenn die EZB von raschen Leitzinserhöhungen in den USA in den nächsten Monaten ausgehtDie klaren Aussagen von EZB-Präsident Trichet nach der gestrigen Notenbank-Sitzung haben zu einer Abkühlung am europäischen Anleihemarkt geführt. Besonders die kurzen Laufzeiten haben nach oben korrigiert, nachdem Trichet die Aussicht auf eine Leitzinssenkung der EZB vehement dementiert hat. Dabei wäre eine Leitzinssenkung vor dem Hintergrund des extrem starken Euro durchaus sinnvoll.
Diese Haltung macht eigentlich nur Sinn, wenn die EZB von raschen Leitzinserhöhungen in den USA in den nächsten Monaten ausgeht. Dies würde bedeuten, dass auch bei stabilen Euro-Zinssätzen der Zinsvorteil im Dollarraum steigt und damit der Dollar-Verfall gebremst würde. Dass die EZB über die Euro-Stärke sehr besorgt ist, hat sie in dieser Woche erneut wiederholt erklärt. Umso überraschender ist die Verweigerung, die Zinsen zu senken. Dass die Nervosität unter den Anleihehändlern und Investoren bei den aktuellen Zinsniveaus sehr groß ist, kann nicht überraschen. Schließlich befinden wir uns nach dem Sommer 1999 und dem Juli 2003 zum dritten Mal an einem historischen Tiefpunkt bei den Kapitalmarktzinsen und damit auch bei den Baugeldkonditionen. Natürlich stellt sich da die Frage, ob wir die absoluten Tiefstände des Zyklus erreicht haben - oder ob wir in neue Regionen vorstoßen. Sollte der Euro nachhaltig stark bleiben oder sogar in den nächsten Monaten noch stärker werden, so wird ein Nullwachstum in 2005 immer wahrscheinlicher. Das Durchbrechen der alten Tiefstände wäre dann nur eine logische Folge. Dieses Szenario ist allerdings nur mit 25% zu gewichten. Für wahrscheinlicher halten wir in den kommenden Monaten eine Phase relativ stabiler Zinsen, die sich auf Höhe des heutigen Zinsniveaus bewegen. Technische Faktoren und Einflüsse vom US-Markt, wie zum Beispiel die heute nachmittags veröffentlichten schlechter als erwarteten Arbeitsmarktdaten, werden allerdings immer wieder zu kurzfristigen Ausschlägen führen.

Keine Frage: Für Immobilienkäufer sowie für Umschulder bleibt das Umfeld sehr günstig. Besonders die langfristigen Zinsbindungen sind sehr attraktiv und ermöglichen eine lange Festschreibung historisch niedriger Zinsen. Die Tilgung sollte bei den aktuell tiefen Zinsen am besten bei 2% angesetzt werden. So kann das Darlehen in einem Zeitraum von unter 30 Jahren zurückgeführt werden. Sinnvoll bleiben auch Kombi-Darlehen, die lange Zinsbindungen mit günstigen variablen Sondertilgungstranchen verbinden, und damit die monatliche Belastung senken. Die EURIBOR-Darlehen sind fest an den Geldmarktsatz gebunden und können flexibel zurückbezahlt oder auch jederzeit in eine Festzinsbindung getauscht werden.

Die Bestsätze für Annuitätendarlehen für 5 Jahre liegen derzeit bei 3,42%, für 10 Jahre bei 4,10%, für 15 Jahre bei 4,42%, für 20 Jahre bei 4,67% und für 26 Jahre bei 5,02% effektiv.

Tendenz:
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: seitwärts


* Robert Haselsteiner ist Gründer und Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking - unter anderem im Fixed Income Bereich - bei Salomon Brothers und Goldman Sachs.

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