Bausparen: Für wen kann es sich lohnen?

"Bausparen lohnt sich nicht", "Die Zeit des klassischen Bausparens ist vorbei" – so oder so ähnlich lausten derzeit die meisten Aussagen über Bausparen. Nichtsdestotrotz ist Bausparen nach wie vor populär. Laut der Bausparkasse Schwäbisch Hall hatte 2020 fast jeder zweite Haushalt mindestens einen Bausparvertrag. Insgesamt rund 25 Millionen Verträge über 919 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik gehalten. Indes: Wieviele dieser Verträge sich tatsächlich lohnen, ist schwer abzuschätzen. Inhaber von hochverzinsten Altverträgen dürfen sich zu den glücklichen Gewinnern zählen - aber allzu viele dürfte es heute davon nicht mehr geben, denn bereits vor zehn Jahren haben Bausparkassen damit begonnen, Mittel und Wege zu suchen, diese für die Kunden profitablen Verträge auslaufen zu lassen.Hohe Abschlussgebühren und niedrige Guthabenzinsen in Kombination mit den derzeit ohnehin niedrigen Kreditzinsen von normalen Baufinanzieren machen das klassische Bausparen für die meisten unattraktiv. Entsprechend gibt es heute nur noch wenige, denen ein Bausparvertrag (eingeschränkt) empfohlen werden kann.

Dazu zählen vor allem junge Berufseinsteiger, denn unter 25 Jahren darf das angesparte Guthaben noch frei verwendet werden, muss also nicht in eine Immobilie investiert werden. Die staatlichen Prämien - bis zu 70 Euro pro Person und Jahr Wohnungsbauprämie (WoP) (bei einem Brutto-Einkommen unter 76.700 Euro) sowie gegebenenfalls die Arbeitnehmersparzulage von 43 Euro (falls der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen in den Bausparvertrag einfließen lässt) - fließen aber trotzdem und dienen als Ersatz für die niedrigen Zinsen.
Natürlich steht jungen Leuten zusätzlich auch die Möglichkeit offen, pro Jahr mindestens 4 Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens anzulegen und sich damit die Wohn-Riester-Zulage von 175 Euro pro Jahr (plus 300 Euro Kinderzulage, sollten die Sparer selbst schon Nachwuchs haben) zu sichern. Dann aber muss das angesparte Geld in eine Immobilie investiert oder später in eine klassische Riester-Rente umgewandelt werden. Zudem bieten manche Bausparkasse jungen Bausparern einen zusätzlichen Bonus.

An zweiter Stelle stehen Modernisierer, denn sie brauchen nicht so hohe Summen wie für einen Immobilienkauf notwendig, können also Verträge mit niedrigen Bausparsummen und entsprechend niedrigeren Gebühren abschließen und sich so die niedrigen Zinsen langfristig sichern. Das sorgt für Planungssicherheit und kann sich durch die Zulagen auch finanziell richtig lohnen - insbesondere, wenn die Bauzinsen in den kommenden Jahren wieder steigen. 

An dritter Stelle stehen daher schließlich auch  Immobilienbesitzer, die noch keinen ausgereiften Modernisierungswunsch haben, aber unterhalb der Einkommensgrenzen für die  staatlichen Zulagen und Prämien liegen und sich die gesamte Förderung sichern können. Zur Prämienjagd sollte ein Vertrag mit einer möglichst niedrigen Bausparsumme (Abschlussgebühren!) abgeschlossen werden. Ein sinnvoller Verwendungszweck - etwa für  neue Heizung, energetische Sanierung oder den altersgerechter Umbau - wird sich früher oder später finden. 


Autor: jn - //www.baumagazin.de/5695