VPB rechnet: Mehrwertsteuererhöhung durch kluge Planung einsparen

„Bauen Sie jetzt schnell, bevor die Mehrwertsteuererhö-hung kommt!“ Solche und ähnliche Appelle aus der Bau- und Immobilienwirtschaft verunsichern zurzeit viele angehende Bauherren. Dabei, so hat der Verband Privater Bauherren (VPB) ausgerechnet, lässt sich die ab 1. Januar 2007 anstehende Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte durch geschickte Planung einsparenBERLIN/STUTTGART. „Bauen Sie jetzt schnell, bevor die Mehrwertsteuererhö-hung kommt!“ Solche und ähnliche Appelle aus der Bau- und Immobilienwirtschaft verunsichern zurzeit viele angehende Bauherren. Dabei, so hat der Verband Privater Bauherren (VPB) ausgerechnet, lässt sich die ab 1. Januar 2007 anstehende Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte durch geschickte Planung einsparen. Bei Hauskosten von 170.000 Euro schlägt sie mit 5.100 Euro zu Buche. Wer sich sein Haus 200.000 Euro kosten lässt, der muss zusätzlich 6.000 Euro Mehrwertsteuer einsparen. Das ist machbar, konstatiert der Verbraucherschutzverband.

„Sparen beginnt im Kopf.“ Heinrich-K. Friedemann-Stock, Architekt und Stuttgarter Bausachverständiger des Verbands Privater Bauherren weiß, wo die Einsparpotenziale beim Einfamilienhaus liegen. „Oft gehen Bauherren mit unrealistischen Vorstellungen an die Planung ihres Domizils. Viele wissen zwar von Beginn an, welche noble Wanne ihr Bad zieren soll, auch italienische Fliesen und Textiltapeten sind häufig schon ausgesucht, aber von Bauart, Form und Größe ihres neuen Hauses haben die angehenden Bauherren noch keine Vorstellung.“

„Wer sparen will, der muss aber systematisch an die Planung herangehen.“ Zunächst stellt sich die Frage nach dem Grundstück: Je kleiner, desto preiswerter. Schon 20 Quadratmeter weniger machen in mittleren Preislagen (rund 250 Euro pro Quadratmeter) die geplante Mehrwertsteuererhöhung wieder wett. Besonders günstig können Erbbaugrundstücke sein. Bauinteressierte sollten Kommunen und Kirchengemeinden danach fragen. Beide vergeben traditionell Grundstücke in Erbpacht.

Sparen lässt sich auch bei der Wahl der richtigen Hausform. „Wer klare Grundrisse wählt, einfache Fassaden ohne Erker, Vor- und Rücksprünge, wer auf Wintergärten, eingezogene Balkone und Dachterrassen verzichtet, der kann sein Budget schonen“, rechnet der Sachverständige: Im Durchschnitt kostet der Kubikmeter umbauter Raum beim Einfamilienhaus zurzeit 285 Euro. Um die Mehrwertsteuererhöhung von 5.100 Euro einzusparen, muss der Bauherr zwischen sieben und acht Quadratmeter Wohnfläche streichen. Das ist rund gerechnet die Grundfläche einer halben Garage.

Gutes Geld lässt sich auf dem Dach sparen. Wer anstelle einer Gaube ein Dachflächenfenster montiert, der erwirtschaftet rund 2.500 Euro. Auch die Dacheindeckung birgt Potenzial: Wählt der Bauherr statt traditioneller Falzziegel zum Preis von 45 Euro pro Quadratmeter Dachfläche moderne Betondachsteine für 35 Euro pro Quadratmeter, dann spart er beim rund 100 Quadratmeter großen Einfamilienhausdach 1.000 Euro. Umgekehrt gilt: Bevorzugt der Auftraggeber hochwertigen Schiefer, schlägt die noble Dachhaut im Vergleich zum preiswerten Kunststein mit gut 6.500 Euro extra zu Buche. Natürlich müssen bei der Dachdeckung auch Aspekte wie deren Lebensdauer oder der Schutz vor Moos und Algen berücksichtigt werden.
Heftig gestritten wird in vielen Familien über den Keller. Bauen oder lieber nicht? „Wer auf den Unterbau verzichtet, der spart zwischen 20.000 und 25.000 Euro“, erläutert Baufachmann Friedemann-Stock, wer nur teilunterkellert bis zu 15.000 Euro.“ Das ist erwägenswert, denn Haustechnik muss heute nicht mehr im Keller untergebracht werden. Dafür reicht ein kleiner Raum, eventuell unter dem Dach. „Während sich anfangs ungenutzte Speicher allerdings nachträglich noch zum Wohnen ausbauen lassen, ist der Verzicht auf den Keller endgültig“, gibt der Bausachverständige zu bedenken.
Wer sich eine Liste macht und kritisch ans Thema herangeht, der findet an seinem Traumhaus viele Details, die er sich zwar wünscht, aber nicht wirklich benötigt: Braucht und nutzt die Familie die geplante Sauna wirklich? Benötigt die dreiköpfige Gemeinschaft tatsächlich zwei komplett ausgestattete Bäder? Die müssen auch gepflegt werden. Was bringt der offene Kamin - außer Arbeit und Rußspuren an der Decke? Muss die Küche vom führenden Hersteller kommen? Im nächsten Jahr ist sie schon wieder unmodern. Soll der Küchenboden wirklich aus Marmor sein? Hartgummi- und Holzböden schonen die Gelenke. Braucht der Hausbesitzer Vollholz- oder Ganzglastüren zum Wohlbefinden? Sind Rollläden unentbehrlich? Darf es statt der Garage auch ein Carport sein? Die Liste lässt sich individuell verlängern.

Wer am Extra spart, der kann weit mehr herein holen als die geplante Mehrwertsteuererhöhung. „Keinesfalls sparen darf man heute allerdings an moderner Heiztechnologie und solider Dämmung“, rät VPB-Sachverständiger Friedemann-Stock. „Kluge Bauherren sollten ihre neuen Häuser mit einem zukunftsweisenden Mix aus moderner und konventioneller Heiztechnik ausstatten. Auf lange Sicht spart das wirklich Geld und schont die Umwelt.“

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