CO2-Emissionen: Fluggesellschaften wollen nicht die „Buhmänner“ sein - Luftfahrt soll beim Klimaschutz stärker in die Verantwortung genommen werden. EU Richtlinie sieht Einbindung der Fluggesellschaften in den Emissionshandel vor. Branche setzt auf

Bonn. Auf dem Expertenforum der Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) in Bonn stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gestern die aktuellen Entwicklungen für den Emissionshandel der zweiten Handelsperiode, sowie der Post-Kyoto-Ära, vor. Zentral für den Zeitraum nach 2012 sind auf der einen Seite die Neustrukturierung des Emissionshandels und auf der anderen Seite die Frage, welche Teilnehmer beim Klimaschutz zukünftig mit in die Verantwortung genommen werden sollenBonn. Auf dem Expertenforum der Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) in Bonn stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gestern die aktuellen Entwicklungen für den Emissionshandel der zweiten Handelsperiode, sowie der Post-Kyoto-Ära, vor. Zentral für den Zeitraum nach 2012 sind auf der einen Seite die Neustrukturierung des Emissionshandels und auf der anderen Seite die Frage, welche Teilnehmer beim Klimaschutz zukünftig mit in die Verantwortung genommen werden sollen. Im Fokus der Diskussion standen gestern besonders die Fluggesellschaften, die bislang noch nicht in die internationale Klimaschutzpolitik einbezogen wurden. Meike Söker vom BMU schätzt den Anteil des Luftverkehrs an den Treibhausgas-Emissionen der EU auf derzeit rund vier Prozent. Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) warnt aber – unter Einberechnung von Stickstoffoxyden und Partikeln – dass Emissionen in großen Höhen eine bis zu viermal größere Schädigung des Klimas bewirken könnten. Vor allem der starke Ausbau des Luftfahrtzweigs – um 87 Prozent zwischen 1990 und 2004 – gefährde die CO2-Reduktion gemäß den Kyoto-Zielen erheblich, so das BMU. Grund für dieses überdurchschnittliche Wachstum seien die „Low-Cost-Carrier“, sogenannte Billigflieger, die seit den Neunzigern den Luftraum überschwemmen. Hier muss nach Ansicht des Ministeriums gegengesteuert werden.

Tanja Wielgoß, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF aero), zeigte sich erstaunlich verhandlungsbereit. Die deutsche Luftfahrt wolle nicht der „Buhmann“ der Klimapolitik sein, stellte sie in ihrem Vortrag heraus. Und weiter: „Um das übergeordnete Ziel einer Emissionsminderung zu erreichen, kann der Emissionshandel im Luftverkehr nur ein Bestandteil einer umfassenden Gesamtstrategie sein.“ Zwar gibt es bereits einen Richtlinienvorschlag der EU, der am 20.12.2006 vorgelegt wurde, doch befürchten die Konferenzteilnehmer, dass es durch dieses halboffene System zu Preissteigerungen bei den European Union Allowances (EUA) komme. Bliebe es bei einem rein europäischen Ansatz, müssten die Fluggesellschaften hierzulande Zertifikate zukaufen und gerieten im internationalen Wettbewerb in Nachteil. Dies, so die Teilnehmer der Emissions-Konferenz, werde zwar bei den Flugtickets zu verhältnismäßig geringen Preissteigerung führen – die Experten der EU schätzen in ihrer Impact-Assessment-Studie, dass sich Kurzstrecken-Flüge zwar um 4,60 Euro und Langstrecken-Flüge um bis zu 39,60 Euro verteuern. Dass diese Einpreisung aber zu einem Rückgang der Nachfrage führe, sei kaum zu erwarten.

Luftfahrt-Branche setzt auf neue Techniken
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften setzt daher vor allem auf eine effizientere Infrastruktur. Laut Wielgoß müsse endlich ein einheitlicher Flugraum – der Single European Sky (SES) – geschaffen werden, der die bislang 48 unterschiedlichen Räume in Europa ersetzen soll. Durch effizientere Infrastrukturen am Boden und in der Luft seien dann optimierte Flugrouten möglich. Zudem setze der Verband verstärkt auf die Implementierung neuer Technologien und alternativer Brennstoffe. Wielgoß räumte aber ein, dass es sich hierbei lediglich um das europäische Bemühen handele, die CO2-Emissionen im Flugverkehr nachhaltig zu reduzieren. International seinen derartige Bestrebungen – gerade mit Blick auf den amerikanischen Luftfahrt-Markt – noch „ferne Zukunftsmusik“, so die Geschäftsführerin des BDF aero. Sicher sei aber, dass alle Fluggesellschaften die Sprache der hohen Kerosin-Kosten verstünden. Wenn sich durch effizientere Nutzung von Treibstoffen Geld sparen ließe, sei dies sicherlich für alle Unternehmen interessant.

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