Wunsch-Wohnsituation im Alter: vor allem selbstbestimmt!Aktive Senioren fordern neue Wohnmodelle fürs Alter

„Ich träume von einem Bauernhof, mit drei oder vier Freundinnen“, antwortete die Schauspielerin Ingrid Steeger kürzlich auf die Frage, wie sie im Alter wohnen möchte. Der „Klimbim-Star“ der 1970er Jahre ist inzwischen 67 Jahre alt. Doch so idyllisch ihre Wunsch-Wohnsituation fürs Alter ist, Senioren-Wohnberater reagieren skeptisch: Kaum ein Bauernhof ist altersgerecht oder gar barrierefrei. Oder bietet die Einkaufsmöglichkeiten fürs tägliche Leben und die medizinische Versorgung durch Ärzte und Apotheken in der Nachbarschaft.„Rund die Hälfte der Menschen über 50 hat Interesse daran, im Alter mit anderen zusammen zu wohnen“, stellt das Bundesfamilienministerium unter Berufung auf das „Deutsche Alterssurvey“ fest, eine bundesweit repräsentative und thematisch umfassende Langzeitstudie mit Menschen, die 40 Jahre und älter sind. „Wohnen im Alter“ ist zweifelsohne ein Trend-Thema. Natürlich möglichst lange und selbstbestimmt in der eigenen Wohnung. Mehr als 50 Prozent der Seniorinnen und Senioren halten sich, so das Bundesfamilienministerium, mindestens 20 Stunden pro Tag in ihrer Wohnung auf. Sie wird im Alter zum zentralen Lebensort – und dieser sollte deshalb altersgerecht und barrierefrei ausgestattet und eingerichtet sein.

Doch egal ob Miet- oder Eigentumswohnung: Im Bestand sind Wohnungen, die beispielsweise über ein Badezimmer verfügen, das man auch am Rollator gehend oder im Rollstuhl sitzend nutzen kann, kaum vorhanden. Breitere Türen, stufenfreie Zugänge oder ein Treppenlift zum Erreichen oberer Stockwerke haben ebenfalls Seltenheitswert. Daher ist sich Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen sicher: „Der altersgerechte Umbau bestehender Häuser und Wohnungen wird in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Bereiche in der Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen.“

Über 90 Prozent leben in „standardmäßig ausgestatteten“ Wohnungen
Aktuell leben laut Bundesfamilienministerium über 90 Prozent der älteren Menschen in Wohnungen, die lediglich „standardmäßig für alle Lebenssituation“ ausgestattet sind. Und meist leben sie allein, weil beispielsweise der Partner verstorben ist und die Kinder bereits lange Zeit vorher ausgezogen sind.

„Gemeinsam statt einsam“ lautet für viele die neue Lebensmaxime. Deshalb hat sich beispielsweise der ehemalige Bremer Oberbürgermeister Dr. Henning Scherf schon vor vielen Jahren für das Leben mit Freunden in einer „Senioren-WG“ entschieden. Eine Wohnform, die sich immer mehr Menschen für ihren dritten Lebensabschnitt wünschen. Doch das gemeinschaftliche Wohnen im Alter will gut durchdacht und geplant sein. Will man beispielsweise – nach studentischem Vorbild – in einer Wohngemeinschaft oder doch lieber nur in einer Hausgemeinschaft leben? „Viele Einfamilienhäuser eignen sich sicherlich für eine Senioren-WG, müssten dafür aber erst einmal barrierefrei umgebaut und saniert werden“, weiß Bausparexperte Alexander Nothaft und rät, diese Maßnahmen möglichst vorausschauend zu planen. Sowohl was die Umbaumaßnahmen selbst als auch deren Finanzierung anbelangt. Denn: „Zum einen wollen viele ältere Menschen keinen hohen Kredit mehr aufnehmen. Und zum anderen dürften sie es nicht leicht haben, bei Banken überhaupt einen Kredit zu bekommen“, sagt Nothaft und empfiehlt, rechtzeitig mit einem Bausparvertrag vorzusparen. Auf diese Weise könne man den Kreditbedarf deutlich senken und sich zudem heute die niedrigen Zinsen für ein Projekt sichern, das vielleicht erst in fünf oder zehn Jahren realisiert werden soll.

Städteplaner und Bauherren vor großen Aufgaben
Konsequenz einer „Senioren-WG“ im barrierefrei umgebauten Einfamilienhaus ist jedoch in der Regel, dass jeder Bewohner nur über ein oder zwei eigene Räume verfügt und sich das Badezimmer unter Umständen mit seinen Mitbewohnern teilen muss. Wer im Alter dagegen weiterhin seine eigene, abschließbare Wohneinheit haben möchte, wird statt einer Wohn- wohl eher eine Hausgemeinschaft bevorzugen. Der Gemeinschaftsbereich – zum Beispiel die Küche und ein großer gemeinschaftlicher Wohn- oder Essensraum – wird von allen genutzt. Ruheort und Privatsphäre jedes Bewohners ist die eigene Wohnung oder sein Appartement. Häuser, die diese WG-Konstellation zulassen, sind allerdings im Bestand noch kaum zu finden. Doch zahlreiche Neubauprojekte und das Umdenken der Städteplaner lassen hoffen.

Für viele Hausbesitzer könnte dieser Entschluss jedoch bedeuten, dass sie im Alter ihr Eigenheim gegen eine Eigentumswohnung in der Senioren-Hausgemeinschaft eintauschen. „Senioren-WGler“ Dr. Henning Scherf geht sogar noch einen Schritt weiter und kann sich als Infrastruktur für ein gutes Altersleben „eine Mischung aus professionellen und ehrenamtlichen Kräften, einer dezentralen Versorgung unter Mithilfe von Nachbarn, Freunden und Verwandten – gesteuert und koordiniert von einem Quartiersmanagement“ vorstellen. „Städteplaner, Architekten und Bauherren stehen vor einer überaus spannenden Aufgabe. Sie werden in den kommenden Jahren individuelle und bezahlbare Wohnideen entwickeln müssen, damit möglichst viele Rentner der geburtenstarken Generation ‚Baby-Boomer’ – unabhängig von ihrer Einkommenssituation – für ihr aktiv gestaltetes Altersleben auch die geeigneten Häuser und Wohnungen finden“, betont Alexander Nothaft.

Tipps zu Umbau und Finanzierung von barrierefreien Wohnungen
Die wichtigsten Informationen zum Thema „Barrierefrei umbauen und bauen – mehr Lebensqualität für alle“ hat der Verband der Privaten Bausparkassen in Kooperation mit dem Internetportal Nullbarriere.de, der Bundesarchitektenkammer und dem Sozialverband Deutschland e.V. in einer kostenlos verfügbaren Broschüre zusammengestellt. Neben praktischen Tipps zur Planung, Ausführung und Ausstattung von barrierefrei nutzbaren sowie barrierefrei uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen nach DIN 18040-2 informiert die Broschüre auch darüber, welche Maßnahmen wie finanziert werden können. Über die klassischen Finanzierungswege bei Bausparkassen, Hypothekenbanken und Kreditinstituten hinaus zählen dazu beim barrierefreien Um- und Neubau vor allem die Fördermöglichkeiten seitens der KfW, der Förderinstitute der Bundesländer sowie der Pflegekasse.

Die Broschüre steht zum kostenlosen Download unter www.bausparkassen.de im Bereich Service / Ratgeber und Broschüren bereit. Zudem kann ein Einzelexemplar mit einem adressierten und mit 1,45 Euro frankierten Rückumschlag (DIN A5) beim Verband der Privaten Bausparkassen, Postfach 30 30 79, 10730 Berlin angefordert werden.

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