Umdenken in der Wohnungspolitik?

Wissenschaftler*innen veröffentlichen Eckpunkte für ökonomisch effiziente, sozial gerechte und ökologisch nachhaltige MaßnahmenSteigende Mieten sind nicht nur in Berlin, sondern in vielen deutschen Groß- und Universitätsstädten ein kritisches Thema. Die Politik reagiert mit Mietpreisbremsen und einem Mietendeckel und schafft dabei neue Ungerechtigkeiten. Eine ökonomisch effiziente, sozial gerechte, und ökologisch nachhaltige Wohnungspolitik sollte sich hingegen auf das gestiegene Preisniveau einstellen, die Menschen bei der Bildung von Wohneigentum unterstützen und die Ausweitung des Wohnungsangebots durch Verdichtung gering verdichteter städtischer und stadtnaher, gut erschlossener Gebiete anstreben. Dies sind zentrale Botschaften eines Sonderhefts zum Thema Wohnungspolitik in dem führende deutschsprachige Stadt- und Immobilienökonomen aus dem In- und Ausland zu Wort kommen. Das Sonderheft „Wohnungspolitik“ der Zeitschrift für Immobilienökonomie wurde von Dr. Gabriel Ahlfeldt, der an der London School of Economics und an der TU Berlin Stadtökonomie lehrt, Dr. Konstantin Kholodilin, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung und NRU Higher School of Economics St. Petersburg und Prof. Dr. Wolfgang Maennig, Universität Hamburg, herausgegeben. Für das Sonderheft haben die Herausgeber deutschsprachige Experten in- und ausländischer Institutionen eingeladen, die sich durch robuste Forschung auf internationalem Niveau eine ausgewiesene wissenschaftliche Reputation erarbeitet haben. Das Ergebnis sind elf Beiträge, die zu aktuellen Themen der Wohnungspolitik den internationalen Stand der Forschung zusammenfassen und relevante Politikimplikationen allgemeinverständlich herausarbeiten. In ihrem Nachwort fassen Gabriel Ahlfeldt und Wolfgang Maennig die gesammelten Expertenmeinungen zu sechs Eckpunkten für eine ökonomisch effiziente, sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Wohnungspolitik zusammen. „Steigende Kaufpreise und Mieten in deutschen Groß- und Universitätsstädten sind vor allem ein Abbild deren zunehmenden Attraktivität. Eine akute Gefahr einer Blasenbildung auf Immobilienmärkten ist deshalb aktuell nicht gegeben. Mit einem kurzfristigen Rückgang ist nicht zu rechnen. Märkte und Politik sollten sich auf das gestiegene Preisniveau einstellen“, so Dr. Gabriel Ahlfeldt. Wohneigentum ist nach dieser Zusammenfassung der wirksamste Schutz vor steigenden Immobilienpreisen und ein effektiver Weg zur Vermögensbildung. Das erforderliche Eigenkapital stellt jedoch insbesondere für junge Menschen eine Hürde da. Die Politik sollte daher bei der Beschaffung von Eigenkapital unterstützen, zum Beispiel durch ein Kreditprogramm der KfW. Mietpreisbremsen und Mietdeckel schaffen dagegen neue Ungerechtigkeiten. Sie schützen immobile Mieter und benachteiligen mobile Mieter und junge Familien, die eine andere oder größere Wohnung benötigen. Damit führen sie zu längeren Pendlerwegen, die ökologisch nicht nachhaltig sind. Zudem wirken die Bremsen vor allem im oberen Mietsegment und nutzen somit den einkommensstärkeren Mietern, so die Autoren. Nach ihrer Zusammenstellung der aktuellen Forschung wird Wohnungsknappheit insbesondere ausgelöst, wenn Baugenehmigungen zu restriktiv gehandhabt werden, wohingegen eine angemessene großzügige Genehmigungspolitik das Preiswachstum und Preiszyklen abschwächen könne. Weitere Schwerpunkte legen die Autoren auf eine nachhaltige Stadtentwicklung, die Verdichtung gering verdichteter städtischer und stadtnaher Gebiete sowie eine Grundsteuer, die auf Grundlage transparent ermittelter Bodenwerte erhoben wird, welche den tatsächlichen Marktwerten entsprechen. Das Sonderheft „Wohnungspolitik“ der Zeitschrift für Immobilienökonomie ist online frei erhältlich: https://link.springer.com/journal/41056/5/1

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